One night in Motherwell
11 06 2007Bisher war ich von den Clubs hier nicht sonderlich begeistert. In PE (bzw. der Umgebung von Summerstrand) gibt es eigentlich nur das Tapas und das Toby Joe’s und diese haben auch das Flair einer mittelprächtigen Dorfdisco. Samt dazugehörigen Rugby-SchlägernSpielern und inkompetenten Türschlägernstehern.
Anscheinend habe ich aber einfach in den falschen Ecken geguckt; letzten Samstag ging es ins Township, irgendwo nach Motherwell. Und dort landeten wir auf einer der großartigsten House-Parties ever.
Aber der Reihe nach: Am Samstag Nachmittag rannten Julian und ich planlos durch Summerstrand. Surfen war gerade mangels Boards flach gefallen, da liefen wir Anne über den Weg. Während die meisten von uns nicht wirklich aus dem Dunstkreis der Uni und der International Students heraus gekommen sind, hat Anne sich mehr unters Volk gemischt und eine ganze Reihe Bekanntschaften mit Leuten aus den verschiedensten Ecken gemacht. Darunter auch einige Minibus-Fahrer und Township-Bewohner.
Sie war schon ein paar mal in den Townships unterwegs, diesen Abend sollte es nach Motherwell gehen, auf irgendeine Party. Nach einigem Zögern sagten Julian und ich zu, mitzukommen. Mein Zögern war weniger in Angst vor dem “gefährlichen” Township (das Wort “dangerous” zeigt eindeutig Abnutzerscheinungen, aber dazu vielleicht ein andermal mehr) begründet. Viel mehr fühlte ich mich etwas komisch dabei, dort hin zu gehen und dabei den Eindruck zu erwecken, dass jetzt der Weiße Mann seine kleine Safari zu den Wilden im Zoo hat. Der Abend zeigte jedoch, dass diese Befürchtung unbegründet war…
Die Planung fand in typisch südafrikanischer Art statt: Der Cousin eines Bekannten von Anne sollte uns abholen. Der musste aber vorher noch ein Auto organisieren. Vom Freund eines Freundes, wer ein Auto hat stellt es seiner Community zur Verfügung (ich schätz aber mal nicht für lau). Welches Auto von welchem Freund und die Anzahl der freien Plätze würde sich zeigen wenn sie da wären. Wann? Irgendwann zwischen 19.00 und 21.00 Uhr. Oder so.
Es muss so gegen 21.00 Uhr gewesen sein, da waren die Jungs dann auch da: Lucks (der Fahrer), Zwaai und Thandile. Von uns waren außer Julian, Anne und mir noch Mia und Charlie am Start. Der Wagen: Ein Toyota Tazz. Nicht gerade für den Transport von acht Personen ausgelegt. Nach kurzem philosophieren ob der Wagen das wohl überleben würde, stapelten wir uns in den Kleinwagen und los ging’s. In den Kurven kamen bedenkliche Geräusche aus dem Radkasten und die hier so beliebten Speed-Breaker konnten wir nur in Schrittgeschwindigkeit überqueren; aber die Kiste hats überlebt.
Erster Stopp war eine Party/Club/Whatever um Bier zu kaufen. Wie hier üblich ist der Laden tagsüber ein Liquour-Shop, nachts geht der Verkauf semi-legal weiter und am Wochenende legen DJs auf und es wird gefeiert. Und wie: Schon von weitem war die Musik zu hören, schließlich angekommen konnten wir nur mit Schrittgeschwindigkeit durch die tanzende Menschenmenge fahren um schließlich vom obligatorischen Einweiser einen Parkplatz zugewiesen zu bekommen.
Die Location war total überfüllt, trotzdem sprach sich die Neuigkeit, dass Weiße vor Ort seien rasend schnell rum kaum dass wir das Auto verlassen hatten. Wir kämpften uns durch die Massen zum Bierschalter. Die Reaktion der Leute war immer ähnlich: Wenn sie uns erblickten erstmal überraschte und ungläubige Gesichter. In den meisten Fällen dann Freude und allgemeines Schulterklopfen, Händeschütteln, Versuche ein Gespräch zu beginnen. Oder eine Nacht mit den Mädels zu erkaufen. Einige warfen uns zwar misstrauische oder abweisende Blicke zu, aber diese waren eindeutig in der Unterzahl.
Derart extrem das Zentrum der Aufmerksamkeit zu sein, damit hatte ich nicht gerechnet. Und hatte auch Probleme, all diese Eindrücke zu verarbeiten. Ich fühlte mich ganz und gar nicht bedroht, aber einfach überfordert. Als wir dann schließlich unser Bier hatten und uns wieder Richtung Auto bewegten, folgte ich den anderen wie in Trance. Ich erinnere mich noch dass mich unterwegs einer in fast perfektem Deutsch anquatschte, er kam aus Namibia und hat für ein paar Jahre in Stuttgart gearbeitet. Ich war so neben der Spur, dass ich kein Wort Deutsch reden konnte. Ich war dann schließlich ganz froh wieder im überfüllten Auto zu sein und auf der weiteren Fahrt Zeit zu haben, die Eindrücke zu verarbeiten.
Unterwegs kamen wir an verschiedenen spontan-Parties auf der Straße vorbei. Man trifft sich dort einfach irgendwo, einer dreht seine Wumms-Anlage im Auto auf (die meisten Autos scheinen hier nicht Benzin- sondern Schallangetrieben zu sein, mich wundert dass die Farbe bei dem Schalldruck noch den Rost zusammenhalten kann) und ab geht die Post.
Schließlich erreichten wir die eigentliche Location in Motherwell. Hier war es ein eingezäunter Bottleshop, fünf Rand Eintritt, live DJs. Die Party fand auf dem eingezäunten Parkplatz statt, die Jungs versuchte, mit dem Wagen reinzufahren (um das Bier reinzuschmuggeln), wir gingen schon mal vor und wieder waren wir das Zentrum aller Aufmerksamkeit. Inzwischen hatte ich mich aber daran gewöhnt, der Laden war auch nicht so überfüllt wie der davor, so dass ich die Musik und auch fast die Aufmerksamkeit genießen konnte.
Erstere war erstklassig gemixte House-Musik. Elektro ist hier in Südafrika überraschenderweise überhaupt ganz groß. Schwarze hören Ganster-Rap? Weit gefehlt, elektronische Tanzmusik schallt aus den Autos. Ok, und Hip Hop und sogar Afrikaans Treffers (ebenso schaurig wie die deutschen).
Wieder wurde überall zwischen den Autos getanzt, wir mitten drin. Hin und wieder einen Schnack mit der einen oder anderen wildfremden Person über Gott und die Welt und Penisbeschneidungen. Manchmal etwas anstrengend, dann entschuldigen und weiter gehen. Dann angehauen werden ob man sich noch an Yolanda erinnert, das Mädel mit dem man vor ein paar Monaten ein paar mal aus war. Öh, ja, oh, äh, hi Yolanda…
Gegen 01.30 dann die Ansage von Lucks dass die Party um 02.00 zu Ende sei, da der Laden dann keine Lizenz mehr zum Alkoholverkauf hat. Er müsse vorher noch das Auto zurückbringen und käme dann mit einem anderen zurück. Zwaai und Thandile fuhren mit, wir feierten weiter.
Um zwei war dann wirklich sehr schnell die Party aus und von den dreien noch nichts zu sehen. Wir warteten also mit einem der (massiven) Türsteher und dem nicht minder massiven Besitzer des Ladens vor der Tür. Irgendwann bot uns dann der Besitzer an, uns nach Hause zu fahren.
Gerade als wir uns entschieden hatten, auf das Angebot einzugehen tauchten unsere drei Vermissten mit einem neuen Auto auf und entschuldigten sich mindestens zwanzig Mal dafuer dass sie lange gebraucht hatten.
Weiter ging’s in ein nahe gelegenes Shebeen. Zwaai hatte dort nur bescheid gesagt, dass er mit ein ein paar Freunden vorbei kaeme und der Besizter den Laden noch nicht dicht machen solle. Entsprechend ueberrascht waren dann auch die Leute dort als wir reinspazierten.
Viel war nicht mehr los, aber fuer ein paar Runden Pool reichte es noch. Um vier oder so wollte der Besitzer dann dann schliessen und wir konnten langsam auch kaum die Augen mehr offen halten. Also wieder ins Auto und weiter.
Aber nicht etwa zurueck nach Hause, sondern jetzt kamm der skurilste Teil des Abends. Wir fuhren zu irgendjemands zu Hause und spazierten dort einfach rein. Weckten ihn auf und drehten seine Stereoanlage so laut auf, dass nicht nur seine Mitbewohner sondern auch alle Nachbarn davon wach wurden. Das Opfer (scheinbar ein Freund von Thandile) schien das aber nicht weiter zu stoeren und so wurde es langsam aber sicher morgen waehrend wir in verschiedenene Ecken des Hauses einpennten.
Irgendwann ging es dann endlich nach Hause. Diesmal ein einen Citi Golf, also wieder gestapelt. Um acht Uhr morgens waren wir schliesslich daheim.






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